Tonspion Hitflip Interview

Hier ein Interview, daß ich gerade schriftlich für Tonspion.de gemacht habe. Interessierten viel Spaß beim Lesen.

Herr Alpar, sind sie mit Hitflip dabei, der Musikbranche ihr Geschäft mit Tonträgern endgültig zu ruinieren?

Sicherlich nicht! Kein neues Geschäftsmodell wird die Musikbranche „ruinieren“. Musik ist sehr wichtig im Leben vieler Menschen und solange das so ist werden Plattenlabels gutes Geld mit Musik verdienen. Wir sind eher eine effiziente und internetbasierte Version des Musik-Second-Hand-Ladens um die Ecke (und außerdem noch einiges mehr). Es ist doch so, dass sich der Musikgeschmack mit den Lebensjahren ändert. Früher habe ich vielleicht Heavy Metal gehört und heute vielleicht eher Reggea oder Jazz. Ich habe viele Heavy Metal CDs aber höre sie nicht mehr und hätte z.B. gerne mehr Jazz. Natürlich könnte ich meine Musik-Sammlung im Musik-Second-Hand-Laden verkaufen aber für das Geld, was ich da bekomme werde ich am Ende viel weniger Jazz CDs kaufen können. Statt dessen tausche ich dann eben bei Hitflip und das schöne daran ist, dass der Wert meiner Sammlung die ich daheim habe konstant bleibt aber sich eben von der Art her meinem aktuellen Geschmack anpasst. Außer Musik-CDs können auf Hitflip auch Hörbücher, DVDs, Computerspiele, Konsolenspiele und Bücher getauscht werden. Ich könnte also auch meine Heavy Metal CDs gegen Beziehungsratgeber oder Ballerspiele eintausche, wenn mir danach ist. Zudem sehe ich Hitflip als einen Weg, Nutzer, die bislang illegale Tauschbörsen nutzten, in die Legalität zu verhelfen. Insofern teilen wir die gleichen Interessen wie die Musikindustrie.

Was bietet Hitflip seinen Kunden?

Hitflip bietet seinen Mitgliedern eine einfache, sichere, kostengünstige, faire, flexible, legale und soziale Peer-2-Peer-Tauschplattform. Hitflip ist einfach, denn um Artikel zum Tausch anzubieten muss man lediglich die EAN (Zahl unter dem Barcode) eingeben. Der Rest geht automatisch. Das Erstellen einer Internetauktion oder das Verkaufen auf einem Internet-Gebrauchtmarkt ist immer deutlich komplizierter. Hitflip ist sicher, da die 99 Cent die man pro Tausch an Hitflip zahlt eine Versicherung enthalten. Sollte der Artikel schadhaft sein, bekommt man Flips erstattet und kann sich damit etwas Neues ertauschen. Hitflip ist kostengünstig, denn wo sonst kann man für 99 Cent ein komplettes Album bekommen? Klar muss man dafür auch noch selbst eine Musik-CD verschicken aber wenn man die bei Hitflip eingestellt hat, mag man sie persönlich sohnehin nicht mehr. Aus subjektiver Perspektive ist der Wert dessen, was ich verschicke verschwindend gering im Vergleich zu dem was ich bekomme. Außerdem gibt es bei uns keine Einstellgebühren. Solange ich also nur meine Artikel erfasse, bezahle ich nichts. Hitflip ist fair durch die Flips als Verrechnungspreise. Ich kann mir für einen teuren Artikel mehrere günstige ertauschen oder umgekehrt. Hitflip ist flexibel, da man selbst bestimmen kann wann und was und wo gegen ich tauschen könnte. Es passt sich an den aktuellen Geschmack und Lebensphase der Hitflip Mitglieder an. Hitflip ist 100% legal. Das wurde für jede Medienkategorie von mehreren renommierten Anwaltskanzleien geprüft. Es ist ein hoch attraktiver Weg raus aus der Illegalität für Nutzer von P2P-Download-Tauschbörsen. Hitflip ist sozial, denn ein Tausch ist im Unterschied zu einem Kauf/Verkauf oder Versteigern/Ersteigern eine sehr nette und fast schon freundschaftliche Angelegenheit. Keiner fühlt sich als Verlierer sondern alle nur als Gewinner. Es gibt wohl kaum eine positivere Handelsform.

Wie stellen Sie sicher, dass die getauschten CDs auch verschickt werden und es sich um legale Original-CDs handelt?

Zunächst einmal muss man klarstellen, dass mehr als 99% der Tauschtransaktionen problemlos verlaufen, d.h. es wird Originalware verschickt, die problemlos ankommt. In wenigen Fällen gibt es Probleme und vereinzelt versenden Mitglieder wider unsere AGB Fälschungen. Unsere Mitglieder stellen selbst sicher, dass das auffällt. Wenn bei jemandem eine Fälschung ankommt, meldet er sich umgehend beim Hitflip-Support. Man schickt uns die Musik-CD, wir checken Sie und gehen dann den User an, der sie versendet hat, falls es wirklich eine Fälschung ist. Dann findet sich meistens recht schnell eine Lösung, denn derjenige möchte bestimmt nicht, dass der Vorgang an die Behörden weitergeleitet wird. Es ist eine Art soziale Kontrolle der Hitflip-Mitglieder untereinander.

Schon über Ebay und Amazon kann man gebrauchte CDs für wenig Geld erwerben. Hitflip hat sich nun sogar auf den Tausch von CDs spezialisiert. Künstler und Labels gehen dabei leer aus. Werden durch Ihr Angebot zukünftig nicht deutlich weniger CDs verkauft werden?

Ein funktionierender Zweitmarkt (also ein Markt für gebrauchte Güter) senkt immer die Kaufschwelle im Erstmarkt. Aber die Frage zielt meiner Meinung nach in eine falsche Richtung und verkennt das Potential von Hitflip. Hitflip als Tauschplattform kann nie bei aktuellsten Musik-Bestsellern besonders gut sein sondern eher im Long Tail-Bereich, d.h. in der Tiefe und Vielfalt des Angebots. Dadurch, dass wir kein Lager haben wie ein Onlineshop sondern die Artikel bei den Mitgliedern daheim lagern, werden wir früher oder später das größte Angebot an Musik-CDs bieten – im Idealfall alle Alben, die es überhaupt gibt. Das ist das besondere an Hitflip. Alte und ausgefallene Sachen sind bei uns immer gut verfügbar. Die neuste CD eines berühmten Künstlers ist meist häufig nachgefragt und wenig angeboten. Das gilt natürlich für DVDs und andere Artikel auf Hitflip ebenso. Das kann eigentlich kein anderer Markt so gut hinbekommen wie Hitflip.

(Ist es nicht so, dass eine CD heute statt einmal gekauft zu werden und im CD-Regal zu landen, heute gleich von mehreren Leuten gerippt und dann weiter getauscht werden kann?)

Wir verbieten dies in unseren AGB ausdrücklich, können es allerdings nicht endgültig ausschließen. Wir glauben aber eher, dass sich der Geschmack der Leute einfach ändert und sie deswegen tauschen. Man hat sich satt gehört und dann weg mit dem Alten und her mit dem (für mich) Neuen.

Was sagen Sie einem Label, das Ihnen vorwirft, ihr Geschäftsmodell auszuhöhlen und von der Arbeit der Künstler zu profitieren?

Das Musikalbum, das ich für 15 Euro gekauft habe gehört doch mir. Was ich damit mache ist alleine meine Sache. Ob ich die bei eBay versteigere, bei Amazon als Gebrauchtartikel verkaufe, einem Freund schenke oder bei Hitflip tausche. Wenn jemand anderes die Musik-CD nicht neu kaufen will, dann wird er einen anderen Weg finden und Hitflip ist hierzu nur eine weitere von vielen Alternativen.

Nach MP3-Tauschbörsen nun also CD-Tauschbörsen. Musik wird nicht mehr gekauft, sondern kostenlos kopiert. Wie sehen sie die Zukunft der Musikbranche? Womit können Künstler und Label ihre Arbeit zukünftig überhaupt noch finanzieren?

Illegale MP3-Tauschbörsen kann man nicht mit der legalen Tauschplattform Hitflip vergleichen. Unsere User behalten keine Kopie der Musik-CD sondern verschicken das Original weiter. Wenn es einen funktionierenden, sicheren und legalen Zweitmarkt (also für gebrauchte Güter) gibt, dann senkt das die Hemmschwelle beim Kauf, denn man weiß, wenn einem die CD nicht (mehr) gefällt, kann man sie gegen etwas anderes tauschen. Es wird auch weiterhin ausreichend Nachfrage nach aktuellen Titeln geben. Diese werden entweder auf dem klassischen Wege erworben oder über legale Download-Angebote herunter geladen. Wir denken, dass für Neuware auch noch Preisspielraum nach oben besteht. Wer haben möchte, was gerade „in“ ist, bezahlt auch mehr dafür. Gerade kleinere bzw. unbekannte Künstler können Hitflip auch als Plattform sehen, auf der sie im Rahmen von Diskussionsforen und Interessengruppen, die in Vorbereitung sind, ihre Fangemeinde erweitern können.

Wie sehen Sie in dem Zusammenhang den CD-Kopierschutz, der inzwischen von
einigen größeren Labels eingesetzt wird? Ist dieser für einen Anbieter wie
Hitflip nicht schädlich?

Wie gesagt, wie möchten nicht, dass unsere Mitglieder CDs kopieren. Insofern begrüßen wir diese Schritte. Allerdings muss sich die Musikbranche auch fragen, ob sie mit solchen Bemühungen nicht Hemmschwellen zum Kauf von CDs aufbaut und damit illegalen Downloads Auftrieb verschafft.

3 Antworten zu “Tonspion Hitflip Interview”

  1. Andre sagt:

    Habe gerade noch mal Rückfragen bekommen und poste die samt Antworten direkt als Kommentar. Ist dann zwar von der Reihenfolge nicht ganz korrekt aber tut seinen Zweck. ;-) Das Interview wird nämlich noch gekürzt.

    Nicht wenige Künstler und Labels leben doch gerade von ihrem Backkatalog.

    Erstens stimmt diese Aussage unserem Wissen nach nicht. Im Gegenteil. Das meiste Geld wird mit aktuellen Titeln gemacht. Zweitens sind gerade bei Künstlern (also nicht Labels) die Plattenverkäufe doch nur eine der verschiedenen Einkunftsquellen. Der Markt für Konzerte ist heutzutage größer als der der Plattenverkäufe. Dann gibt es da auch noch Merchandise. Und nicht zu vergessen die GEMA. Diese anderen – für Künstler von Plattenverkäufen völlig unabhängigen Einkunftsquellen – bleiben von möglichen verminderten Absatzzahlen ihrer alten Titel völlig unbeeinflusst.

    Ist es nicht so, dass eine CD heute statt einmal gekauft zu werden und im CD-Regal zu landen, heute gleich von mehreren Leuten gerippt und dann weiter getauscht werden kann?

    Wir verbieten dies in unseren AGB ausdrücklich, können es allerdings nicht endgültig ausschließen. Wir glauben aber eher, dass sich der Geschmack der Leute einfach ändert und sie deswegen tauschen. Man hat sich satt gehört und dann weg mit dem Alten und her mit dem (für mich) Neuen. Sammler werden immer die CD, LP oder sonst was von ihren Iconen in physischer Form im Regal haben wollen. Das bleibt von jeglichem möglichen Rippen etc. verschont. Dann stellt sich für den Künstler die Frage, wer die richtigen Fans sind und wer einen nur mal so hört. Das von Ihnen vermutete Phänomen wird also Retortenbands/-künstler vermutlich viel mehr treffen als „gesund gewachsene“ Künstler.

    Das klingt mir doch sehr nach Wunschdenken. Was kopiert werden kann, wird auch kopiert. Da brauchen wir uns doch nichts vormachen?

    In Ausnamefällen mag das vorkommen.

    Also gibt es doch keine Rettung für die „Tonträgerindustrie“ – ob mit oder ohne Kopierschutz? Kopierschutz und hohe Preise schrecken die Käufer ab und CDs ohne Kopierschutz werden massenhaft vervielfacht über ausgeklügelte Systeme wie zum Beispiel ihres…

    Die Frage wurde am Anfang des Interviews schon mal beantwortet. „Kein neues Geschäftsmodell wird die Musikbranche ruinieren. Musik ist sehr wichtig im Leben vieler Menschen und solange das so ist, werden Plattenlabels gutes Geld mit Musik verdienen.“ Wahre Fans werden immer das Original haben wollen, selbst wenn diese mit Kopierschutz ausgestattet sind.

  2. Das gebrauchte Leben sagt:

    Also ich bin zwar Laie auf dem Gebiet, aber so wie sich das in deinem Interview anhört ist das ne ganz feine Sache! Die Idee ist super udn die Umsetzung bestimmt auch! Es gibt ja schließlich auch genug Leute, die sich noch auf dem herkömmlichen Weg ihre Musik besorgen, also CDs kaufen, weil sie mit dem I-Net nichts am Hut haben, oder auch auf den look von CDs im Regal stehen….die Musikindustrie wird von solchen Ideen bestimmt nciht ruiniert, aber viele User glücklich gemacht :-)

  3. Liste mit Interviews der Deutschen Gründerszene von A-Z | Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine sagt:

    [...] Interview im hitflip merchant Blog [...]